← Alle Ratgeber

Psychotherapeut:in vs. Psycholog:in — Was ist der Unterschied?

Klinische Psycholog:innen, Gesundheitspsycholog:innen, Psychotherapeut:innen — wer macht was?

"Ich brauche professionelle Hilfe" — aber zu wem? Psychotherapeut:in, Psycholog:in, Psychiater:in? Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, bedeuten aber etwas sehr Unterschiedliches. Dieser Ratgeber klärt auf.

Überblick: Die drei Berufsgruppen in Österreich

In Österreich sind folgende psychologische und therapeutische Berufe gesetzlich geregelt:

  • Psychotherapeut:in — behandelt psychische Störungen mit Psychotherapie
  • Klinische:r Psycholog:in — diagnostiziert und behandelt psychische Störungen
  • Gesundheitspsycholog:in — fördert Gesundheit und verhindert Erkrankungen
  • Psychiater:in — Ärzt:in mit Fachrichtung Psychiatrie, darf Medikamente verschreiben

Psychotherapeut:in

Ausbildung

Eine Psychotherapieausbildung in Österreich ist mehrstufig und dauert insgesamt 6–9 Jahre:

  1. Propädeutikum: 765 Stunden theoretische Grundausbildung
  2. Fachspezifikum: Spezialisierung auf eine Methode (z.B. Verhaltenstherapie), 3–6 Jahre
  3. Lehrtherapie: Eigene Therapie als Teil der Ausbildung
  4. Supervision: Begleitung der Therapiepraxis durch Erfahrene

Die Ausbildung kann direkt nach der Matura beginnen — ein Universitätsstudium ist keine Pflicht. Das macht Psychotherapie zu einem eigenständigen Beruf.

Was darf eine Psychotherapeut:in?

  • Psychotherapeutische Behandlung aller psychischen Störungen
  • Verwendung wissenschaftlich anerkannter Therapiemethoden
  • Keine Diagnose nach ICD-10 (das ist Sache der Psychiatrie oder klinischen Psychologie)
  • Keine Medikamentenverschreibung

Klinische:r Psycholog:in

Ausbildung

Der Weg zur Klinischen Psychologin oder zum Klinischen Psychologen führt immer über ein abgeschlossenes Psychologie-Studium (Master/Diplom), danach eine Postgraduate-Ausbildung in Klinischer Psychologie (mind. 1.800 Stunden Theorie und Praxis).

Was darf eine Klinische Psycholog:in?

  • Psychologische Diagnostik und Testung (z.B. IQ-Tests, Persönlichkeitstests)
  • Klinisch-psychologische Behandlung (eigenständige Methode!)
  • Erstellen von Diagnosen nach ICD-10
  • Gutachten und Berichte
  • Keine Medikamentenverschreibung

Klinische Psycholog:innen sind besonders wichtig für Diagnostik — wenn du eine offizielle Diagnose (z.B. für die Kasse, das Gericht oder die Schule) brauchst.

Gesundheitspsycholog:in

Auch Gesundheitspsycholog:innen brauchen ein abgeschlossenes Psychologiestudium. Ihr Fokus liegt auf Prävention und Gesundheitsförderung — sie helfen bei chronischen Krankheiten, Stressbewältigung, Schmerz, Suchtprävention etc.

Sie behandeln keine schweren psychischen Erkrankungen, sind aber ideal für:

  • Burnout-Prävention
  • Stressbewältigung
  • Begleitung chronischer Erkrankungen (Diabetes, Krebs, etc.)
  • Sucht und Raucherentwöhnung

Psychiater:in — wenn Medikamente gebraucht werden

Psychiater:innen sind Ärzt:innen mit Fachausbildung in Psychiatrie. Nur sie dürfen Medikamente verschreiben (Antidepressiva, Anxiolytika etc.). Sie sind besonders wichtig bei:

  • Schweren Depressionen
  • Bipolare Störungen
  • Schizophrenie
  • Wenn Medikamente Teil der Behandlung sein sollen

Psychiater:innen können auch Psychotherapie durchführen, wenn sie eine entsprechende Ausbildung haben — das ist aber nicht immer der Fall.

Vergleichstabelle: Auf einen Blick

KriteriumPsychotherapeut:inKlin. Psycholog:inPsychiater:in
Studium nötig?Nein (eigene Ausbildung)Ja (Psychologie)Ja (Medizin)
Darf Diagnose stellen?NeinJaJa
Darf Medikamente verschreiben?NeinNeinJa
Psychotherapie?Ja (Kernkompetenz)Nein (eigene Methode)Optional
Kassenplätze?JaBegrenztJa
Für wen geeignet?Psychische LeidenszuständeDiagnose, GutachtenSchwere Erkrankungen, Medikamente

Wann gehe ich zu wem?

  • Angst, Depression, Beziehungsprobleme, Trauma: → Psychotherapeut:in
  • Offizielle Diagnose, Gutachten: → Klinische:r Psycholog:in
  • Burnout-Prävention, chronische Erkrankung: → Gesundheitspsycholog:in
  • Schwere Symptome, Medikamentenbedarf: → Psychiater:in
  • Unsicher? → Hausarzt / Hausärztin als erste Anlaufstelle
💡 Viele Menschen gehen zu einer Klinischen Psychologin für die Diagnose und dann zu einer Psychotherapeutin für die Behandlung. Das ist sinnvoll und wird auch von Krankenkassen unterstützt.

Alle drei Berufsgruppen findest du über CheckPsy.at. Lies auch unsere FAQ für häufige Fragen, oder informiere dich über ÖBVP und BMG (Bundesministerium für Gesundheit).

Häufige Fragen

Kann eine Psychotherapeut:in eine Diagnose stellen?

Nein, offiziell nicht. Diagnosen nach ICD-10 dürfen nur Ärzt:innen (inkl. Psychiater:innen) und Klinische Psycholog:innen stellen. Psychotherapeut:innen arbeiten oft diagnostisch — aber ohne offizielle Diagnose zu vergeben.

Brauche ich für die Therapie eine Diagnose?

Für einen Kassenplatz oder eine Kostengenehmigung oft ja (die Kasse will wissen, was behandelt wird). Aber du kannst auch ohne Diagnose eine Wahltherapeut:in aufsuchen.

Kann eine Psychologin auch Therapie machen?

Klinische Psycholog:innen haben eine eigene Behandlungsmethode (klinisch-psychologische Behandlung), die sich von Psychotherapie unterscheidet. Wenn eine Klinische Psychologin zusätzlich eine Psychotherapieausbildung hat, darf sie auch Psychotherapie anbieten.

Bereit, den ersten Schritt zu machen?

Finde jetzt Psychotherapeut:innen in deiner Nähe — kostenlos und ohne Anmeldung.

Jetzt Therapeut:in finden →