Auf einen Blick
Online-Psychotherapie ist in Österreich seit 2020 dauerhaft erlaubt und wird von der ÖGK bezuschusst (rund 33 € pro Sitzung bei Wahltherapie). Du brauchst nur ein Gerät mit Kamera, stabiles Internet und eine zugelassene Therapeut:in aus dem Psychotherapeutenkatalog. Studien zeigen: Bei den meisten Störungsbildern ist Online-Therapie genauso wirksam wie Präsenztherapie.
Psychotherapie muss nicht mehr zwingend in einer Praxis stattfinden. Seit der COVID-Pandemie hat sich Online-Therapie in Österreich als fester Bestandteil der psychotherapeutischen Versorgung etabliert. Ob du in einer ländlichen Gemeinde in Vorarlberg wohnst, beruflich ständig unterwegs bist oder schlicht den Weg in eine Praxis scheust — Online-Therapie macht professionelle Hilfe zugänglicher. Dieser Ratgeber erklärt, wie Online-Psychotherapie in Österreich funktioniert, was die Kasse zahlt und worauf du bei der Auswahl achten solltest.
Was ist Online-Psychotherapie?
Online-Psychotherapie (auch Teletherapie, Videotherapie oder E-Therapie) bezeichnet psychotherapeutische Behandlung, die über digitale Kommunikationsmittel stattfindet — in der Regel per Videocall. Die Therapeut:in und du sitzen nicht im selben Raum, aber ihr seht und hört euch in Echtzeit. Manche Therapeut:innen bieten ergänzend auch Telefon- oder Chat-basierte Sitzungen an, wobei Videotherapie als Standard gilt.
Wichtig: Online-Psychotherapie ist nicht dasselbe wie eine Selbsthilfe-App oder ein automatisiertes Online-Programm. Es handelt sich um eine vollwertige psychotherapeutische Behandlung durch eine zugelassene Fachperson — nur das Setting ist digital.
Rechtliche Grundlage in Österreich
Während der COVID-Pandemie wurde Online-Psychotherapie in Österreich per Verordnung vorübergehend erlaubt. Seit 2020 hat das Gesundheitsministerium (BMG) Online-Therapie dauerhaft als zulässige Behandlungsform anerkannt. Die wichtigsten Rahmenbedingungen:
- Zulassung: Die Therapeut:in muss im Psychotherapeutenkatalog des BMG eingetragen sein — das gilt für Online- genauso wie für Präsenztherapie
- Erstgespräch: Das Erstgespräch kann online stattfinden, es gibt keine Pflicht für ein persönliches Kennenlernen vor Ort
- Datenschutz: Die verwendete Plattform muss DSGVO-konform sein. Therapeut:innen sind verpflichtet, eine verschlüsselte, datenschutzkonforme Videolösung zu nutzen
- Dokumentation: Sitzungen werden wie Präsenztermine dokumentiert — mit Datum, Dauer und Behandlungsverlauf
Wie läuft eine Online-Therapiesitzung ab?
Der Ablauf einer Online-Sitzung ähnelt dem einer Präsenzsitzung stark. Typischer Ablauf:
- Terminvereinbarung: Du vereinbarst einen Termin wie gewohnt — per E-Mail, Telefon oder über die Praxiswebsite
- Zugangslink: Vor der Sitzung erhältst du einen Link zur Videoplattform deiner Therapeut:in (z. B. Elvi, Whereby oder eine vergleichbare DSGVO-konforme Lösung)
- Vorbereitung: Such dir einen ruhigen, ungestörten Raum. Schließ die Tür, setz Kopfhörer auf, stell dein Handy auf lautlos
- Sitzung: Die Sitzung dauert wie gewohnt 50 Minuten. Du sprichst mit deiner Therapeut:in genau so, wie du es in der Praxis tun würdest
- Nachbereitung: Bei Bedarf erhältst du Hausaufgaben, Reflexionsfragen oder Übungsblätter — digital zugesandt
Mehr zum Ablauf eines therapeutischen Erstgesprächs: Erstgespräch Psychotherapie — was erwartet mich?
Kosten und Kassenleistung — zahlt die ÖGK?
Die gute Nachricht: Online-Therapie wird von der ÖGK und den anderen österreichischen Sozialversicherungsträgern grundsätzlich gleichbehandelt wie Präsenztherapie.
ÖGK-Kostenzuschuss für Wahltherapie
Wenn du eine Wahltherapeut:in aufsuchst (d. h. ohne Kassenvertrag), erhältst du von der ÖGK einen Kostenzuschuss von derzeit rund 33 Euro pro Einzelsitzung (50 Minuten). Das gilt auch für Online-Sitzungen. Du reichst die Rechnung bei der ÖGK ein — entweder online über das Kundenportal oder per Post.
Vollfinanzierte Kassenplätze
Auch Therapeut:innen mit ÖGK-Kassenvertrag können Sitzungen per Video anbieten. Die Kosten werden in diesem Fall vollständig von der Kasse übernommen. Allerdings bieten nicht alle Kassentherapeut:innen Online-Sitzungen an — frag bei der Terminvereinbarung explizit nach.
Andere Sozialversicherungsträger
Auch BVAEB (Beamte), SVS (Selbstständige) und KFA (Stadt Wien) gewähren Kostenzuschüsse für Psychotherapie, die grundsätzlich auch für Online-Sitzungen gelten. Die genaue Höhe variiert je nach Träger. Erkundige dich vorab bei deinem Versicherungsträger.
Ausführliche Infos zu Kosten und Zuschüssen: Psychotherapie Kosten Österreich 2026
Vorteile der Online-Therapie
- Ortsunabhängigkeit: Du kannst von überall in Österreich an deiner Therapie teilnehmen — egal ob du in Wien, im Tiroler Oberland oder vorübergehend im Ausland bist
- Zeitersparnis: Kein Anfahrtsweg, kein Warten im Wartezimmer. Besonders wertvoll bei langen Pendelwegen oder engem Terminkalender
- Niedrigschwelligkeit: Die Hemmschwelle, eine Praxis zu betreten, fällt weg. Gerade bei sozialer Angst, Agoraphobie oder starker Erschöpfung kann das entscheidend sein
- Größere Therapeut:innen-Auswahl: Du bist nicht auf Therapeut:innen in deiner unmittelbaren Umgebung beschränkt. Im ländlichen Raum ist das ein großer Vorteil
- Flexibilität: Viele Online-Therapeut:innen bieten auch Abend- oder Samstagstermine an — was in Präsenzpraxen seltener der Fall ist
- Vertraute Umgebung: Du bist in deinem eigenen Zuhause, was bei manchen Menschen zu einem schnelleren Öffnen führt
- Kontinuität bei Umzug oder Reise: Du kannst die Therapie fortsetzen, auch wenn du umziehst oder beruflich verreist
Nachteile und Grenzen der Online-Therapie
- Fehlende körperliche Präsenz: Körpersprache, Atemmuster und subtile nonverbale Signale sind per Video schwerer wahrnehmbar. Methoden, die Körperkontakt erfordern (z. B. bestimmte körperorientierte Verfahren), sind online nicht umsetzbar
- Technische Probleme: Instabile Internetverbindung, Kameraausfälle oder schlechte Tonqualität können den therapeutischen Fluss stören
- Ablenkung im häuslichen Umfeld: Mitbewohner:innen, Kinder oder Haustiere können Sitzungen unterbrechen. Ein ungestörter Raum ist Voraussetzung
- Krisenintervention eingeschränkt: Bei akuter Suizidalität, schwerer Dissoziation oder psychotischen Episoden ist Präsenztherapie vorzuziehen — die Therapeut:in kann im Notfall nicht physisch eingreifen
- Datenschutzbedenken: Nicht alle Plattformen sind DSGVO-konform. Achte darauf, dass deine Therapeut:in eine verschlüsselte, für therapeutische Zwecke zugelassene Videolösung nutzt
Wann ist Online-Therapie geeignet — und wann nicht?
Gut geeignet bei:
- Depressionen (leicht bis mittelschwer)
- Angststörungen (generalisierte Angst, soziale Phobie, Panikstörung)
- Burnout und stressbedingte Erschöpfung
- Anpassungsstörungen (z. B. nach Trennung, Jobverlust, Umzug)
- Beziehungsprobleme und Lebenskrisen
- Schlafstörungen
- Leichtere Zwangsstörungen
- Nachsorge und Rückfallprävention nach stationärer Behandlung
Eher nicht geeignet bei:
- Akuter Suizidalität oder schwerer Selbstverletzung
- Akuten psychotischen Episoden
- Schwerer Dissoziation
- Substanzabhängigkeit mit akutem Entzugsbedarf
- Schweren Traumafolgestörungen in der Stabilisierungsphase (je nach Methode)
- Situationen, in denen kein ungestörter Raum zur Verfügung steht
Qualitätsmerkmale — woran erkennst du seriöse Online-Therapeut:innen?
In Österreich darf sich nur Psychotherapeut:in nennen, wer eine anerkannte Ausbildung absolviert hat und im Psychotherapeutenkatalog des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) eingetragen ist. Das ist der wichtigste Qualitätsindikator — online wie offline.
Darüber hinaus solltest du auf folgende Merkmale achten:
- Eintrag im BMG-Psychotherapeutenkatalog: Überprüfbar auf der Website des Gesundheitsministeriums. Ohne diesen Eintrag ist die Person nicht als Psychotherapeut:in zugelassen
- DSGVO-konforme Videoplattform: Seriöse Therapeut:innen verwenden verschlüsselte, für therapeutische Zwecke zugelassene Plattformen — nicht Skype, WhatsApp oder FaceTime
- Transparente Kosteninformation: Honorar, Absageregelung und Abrechnungsmodalitäten werden vorab klar kommuniziert
- Anerkannte Therapiemethode: In Österreich sind derzeit 23 Psychotherapiemethoden anerkannt, darunter Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, systemische Familientherapie, personzentrierte Psychotherapie und Gestalttherapie
- Notfallplan: Seriöse Online-Therapeut:innen besprechen zu Beginn, was im Krisenfall zu tun ist — inklusive lokaler Notfallnummern und Anlaufstellen
Online-Therapie im ländlichen Raum — ein Gamechanger
Österreich hat in vielen ländlichen Regionen eine deutlich geringere Therapeutendichte als in den Landeshauptstädten. In manchen Bezirken in Kärnten, der Steiermark oder dem Waldviertel gibt es nur wenige niedergelassene Psychotherapeut:innen — mit langen Wartezeiten und weiten Anfahrtswegen.
Online-Therapie löst dieses Problem: Du hast Zugang zu Therapeut:innen in ganz Österreich, unabhängig von deinem Wohnort. Du kannst eine Therapeut:in in Wien, Graz oder Innsbruck wählen, ohne dorthin fahren zu müssen. Gerade für Menschen in abgelegenen Gebieten, mit eingeschränkter Mobilität oder ohne Führerschein ist das ein echter Gamechanger.
Tipps für eine erfolgreiche Online-Therapie
- Schaff dir einen festen Therapie-Ort: Immer am selben Platz, mit geschlossener Tür, guter Beleuchtung und bequemem Sitz. Das signalisiert deinem Gehirn: Jetzt ist Therapie-Zeit
- Teste die Technik vorab: Mach vor der ersten Sitzung einen Testlauf mit Kamera und Mikrofon. Nichts stört mehr als 10 Minuten Technik-Troubleshooting zu Beginn
- Nutz Kopfhörer: Für bessere Tonqualität und mehr Privatsphäre
- Schalt Benachrichtigungen aus: Handy auf lautlos, E-Mail-Programm schließen, Notifications deaktivieren
- Plane Nachbereitungszeit ein: Steh nach der Sitzung nicht sofort auf und stürze dich in den Alltag. Gib dir 10–15 Minuten Übergangszeit
- Sprich Probleme an: Wenn du das Gefühl hast, dass die Verbindung (emotional oder technisch) nicht funktioniert, sag es deiner Therapeut:in. Offene Kommunikation ist online noch wichtiger als in der Praxis
Häufige Fragen zur Online-Psychotherapie in Österreich
Ist Online-Psychotherapie in Österreich erlaubt?
Ja. Seit 2020 ist Online-Psychotherapie in Österreich dauerhaft erlaubt. Der Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) und das Gesundheitsministerium haben Richtlinien veröffentlicht, die Videotherapie als gleichwertige Behandlungsform anerkennen — vorausgesetzt, die Therapeut:in ist im Psychotherapeutenkatalog des BMG eingetragen und nutzt datenschutzkonforme Technik.
Zahlt die ÖGK für Online-Psychotherapie?
Ja. Der ÖGK-Kostenzuschuss (derzeit rund 33 Euro pro Einzelsitzung) gilt auch für Online-Sitzungen, sofern die Therapeut:in im Psychotherapeutenkatalog eingetragen ist. Auch vollfinanzierte Kassenplätze können per Video stattfinden, wenn die Therapeut:in das anbietet. Du musst lediglich beim Antrag angeben, dass die Sitzung per Video stattgefunden hat.
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich?
Du benötigst ein Gerät mit Kamera und Mikrofon (Laptop, Tablet oder Smartphone), eine stabile Internetverbindung und einen ruhigen, ungestörten Raum. Deine Therapeut:in stellt in der Regel die Plattform bereit — meist eine DSGVO-konforme Videolösung wie Elvi, Whereby oder eine vergleichbare Lösung. Standardmäßige Tools wie Zoom oder Skype gelten aus Datenschutzgründen als kritisch.
Ist Online-Therapie genauso wirksam wie Präsenztherapie?
Studien zeigen, dass Online-Therapie bei den meisten Störungsbildern — darunter Depressionen, Angststörungen, Burnout und Anpassungsstörungen — vergleichbar wirksame Ergebnisse erzielt wie Präsenztherapie. Die therapeutische Beziehung kann auch per Video aufgebaut werden. Bei schweren Traumata, akuter Suizidalität oder Psychosen ist Präsenztherapie allerdings vorzuziehen.
Kann ich die Therapeut:in wechseln, wenn Online-Therapie nicht passt?
Selbstverständlich. Die freie Therapeutenwahl gilt in Österreich uneingeschränkt — auch bei Online-Therapie. Wenn die Chemie nicht stimmt oder du merkst, dass du doch Präsenztermine bevorzugst, kannst du jederzeit wechseln. Auf checkpsy.at findest du Therapeut:innen, die sowohl Online- als auch Präsenztermine anbieten.
Gibt es Online-Therapie auch auf Kassaplatz?
Ja, auch vollfinanzierte Kassenplätze können per Video stattfinden. Allerdings bieten nicht alle Kassentherapeut:innen Online-Sitzungen an. Frag bei der Terminvereinbarung explizit nach. Der ÖGK-Kostenzuschuss für Wahltherapie gilt ebenfalls für Online-Sitzungen.
Wie finde ich eine seriöse Online-Therapeut:in in Österreich?
Achte darauf, dass die Therapeut:in im Psychotherapeutenkatalog des Gesundheitsministeriums (BMG) eingetragen ist. Das ist die wichtigste Qualitätsgarantie. Auf checkpsy.at kannst du gezielt nach Therapeut:innen suchen, die Online-Sitzungen anbieten. Vermeide Plattformen, die keine österreichische Zulassung nachweisen können.