Ratgeber · Psychotherapie · Österreich

Psychotherapie-Methoden in Österreich

In Österreich sind 23 Psychotherapiemethoden offiziell anerkannt — mehr als in den meisten anderen Ländern. Dieser Ratgeber erklärt alle Verfahren verständlich und hilft Ihnen, die passende Methode zu finden.

23 anerkannte Methoden4 GrundrichtungenAlle kassenerstättungsfähig

Auf einen Blick

  • Österreich hat mit 23 anerkannten Methoden eines der vielfältigsten Systeme weltweit
  • Alle Methoden sind grundsätzlich von der ÖGK kassenerstättungsfähig (€33,70/Sitzung)
  • Die Beziehung zur Therapeutin/zum Therapeuten ist wichtiger als die spezifische Methode
  • 4 Grundrichtungen: tiefenpsychologisch, humanistisch, systemisch und verhaltenstherapeutisch

Die 4 Grundrichtungen im Überblick

🔮 Tiefenpsychologisch-psychodynamisch

9 Methoden — Unbewusste Konflikte aufdecken und verarbeiten. Oft längere Therapien mit tiefgreifender Veränderung.

z.B. Psychoanalyse, Hypnosetherapie, Katathym Imaginative PT

🌿 Humanistisch-existenziell

7 Methoden — Selbstverwirklichung, Sinnfindung und das Hier-und-Jetzt. Ganzheitlicher Blick auf den Menschen.

z.B. Existenzanalyse, Gestalttherapie, Personzentrierte PT

🔗 Systemisch

1 Methode — Probleme im Kontext von Beziehungen und Systemen verstehen. Besonders stark bei Familien- und Paarthemen.

Systemische Familientherapie

📊 Verhaltenstherapeutisch

1 Methode — Konkrete Probleme lösen, Denkmuster verändern. Am besten erforscht, oft zeitlich begrenzt.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Tiefenpsychologisch-psychodynamisch

Diese Verfahren gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte und frühe Erfahrungen psychische Probleme verursachen. Ziel ist es, diese Konflikte bewusst zu machen und aufzuarbeiten.

Psychoanalyse

Sigmund Freuds klassische Methode. Intensive Therapie (3–4x/Woche), unbewusste Konflikte, freie Assoziation, Traumdeutung. Oft jahrelang.

Besonders geeignet bei: Tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung, chronische Probleme

Analytische Psychologie (nach C.G. Jung)

Arbeitet mit Archetypen, Symbolen und dem kollektiven Unbewussten. Traum- und Symbolarbeit als zentrale Elemente.

Besonders geeignet bei: Sinnsuche, kreative Prozesse, spirituelle Themen

Individualpsychologie (nach Alfred Adler)

Fokus auf Lebensstil, Gemeinschaftsgefühl und Minderwertigkeitskomplexe. Lehrreichster Ansatz für den Alltag.

Besonders geeignet bei: Beziehungsprobleme, Selbstwert, Erziehungsfragen

Gruppenpsychoanalyse

Psychoanalytische Prinzipien in der Gruppe. Die Gruppendynamik wird als therapeutisches Mittel genutzt.

Besonders geeignet bei: Soziale Ängste, Beziehungsmuster, Isolation

Dynamische Gruppenpsychotherapie

Gruppentherapie mit Fokus auf hier-und-jetzt Interaktionen. Weniger analytisch als Gruppenpsychoanalyse.

Besonders geeignet bei: Soziale Kompetenz, Selbstwahrnehmung

Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)

Arbeitet mit geleiteten Tagträumen und inneren Bildern. Sehr bildhafte, kreative Methode mit tiefenpsychologischem Hintergrund.

Besonders geeignet bei: Psychosomatik, Traumaverarbeitung, kreative Menschen

Transaktionsanalyse

Analysiert Kommunikationsmuster (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich). Leicht verständliches Modell für Beziehungsdynamiken.

Besonders geeignet bei: Kommunikationsprobleme, Beziehungskonflikte, Beruf

Hypnosepsychotherapie

Therapeutische Hypnose als Zugang zum Unbewussten. Nicht zu verwechseln mit Showhypnose. Evidenzbasiert und seriös.

Besonders geeignet bei: Angststörungen, Schmerzen, Raucherentwöhnung, Psychosomatik

Autogene Psychotherapie

Auf autogenem Training basierend (Körperwahrnehmung, Entspannung). Verbindung von Körper und Psyche.

Besonders geeignet bei: Stressabbau, Psychosomatik, Schlafstörungen

Humanistisch-existenziell

Diese Verfahren betonen die Selbstverwirklichung, das Hier-und-Jetzt und die Suche nach Sinn. Der Mensch wird als Ganzes betrachtet — mit Körper, Gefühlen und Geist.

Existenzanalyse und Logotherapie (nach Viktor Frankl)

Österreichische Besonderheit: Von Viktor Frankl in Wien begründet. Fokus auf Sinnfindung und eigenverantwortliches Leben. Weltweit anerkannt.

Besonders geeignet bei: Sinnkrisen, existenzielle Fragen, Trauer, Burnout

Personzentrierte Psychotherapie (nach Carl Rogers)

Empathie, Wertschätzung und Echtheit als Kern. Die therapeutische Beziehung ist das wichtigste Werkzeug.

Besonders geeignet bei: Selbstwertprobleme, Beziehungsprobleme, persönliches Wachstum

Gestalttherapie

Hier-und-Jetzt-Fokus, Körperarbeit, kreative Methoden (leerer Stuhl, Rollenspiel). Sehr lebendig und erlebnisorientiert.

Besonders geeignet bei: Emotionale Blockaden, Kontaktstörungen, Kreativität

Psychodrama

Szenisches Spiel und Rollenspiel als therapeutische Methode. Man stellt Situationen nach und erarbeitet neue Lösungen.

Besonders geeignet bei: Konflikte, Entscheidungsfindung, soziale Kompetenz

Integrative Therapie

Verbindet verschiedene Ansätze: Körperarbeit, kreative Medien, Gespräch, Bewegung. Sehr vielseitig und ganzheitlich.

Besonders geeignet bei: Komplexe Probleme, Psychosomatik, Sucht

Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)

Körper und Bewegung als Zugang zu psychischen Themen. Wahrnehmungsübungen, Atem, Berührung.

Besonders geeignet bei: Psychosomatik, Essstörungen, Körperwahrnehmung

Integrative Gestalttherapie

Verbindung von Gestalttherapie mit integrativen Ansätzen. Breiterer Methodenkanon als klassische Gestalttherapie.

Besonders geeignet bei: Flexible Anwendung bei verschiedensten Störungen

Systemisch

Systemische Verfahren betrachten Probleme im Kontext von Beziehungen und Systemen (Familie, Partnerschaft, Beruf). Nicht das Individuum allein, sondern das ganze System wird betrachtet.

Systemische Familientherapie

Betrachtet Symptome als Ausdruck von Beziehungsproblemen im System. Arbeitet mit der ganzen Familie oder mit Einzelnen über ihr System.

Besonders geeignet bei: Familienkonflikte, Erziehungsprobleme, Paartherapie, Kinder

Verhaltenstherapeutisch

Verhaltenstherapie basiert auf Lerntheorie und kognitiver Psychologie. Fokus auf konkrete Probleme, messbare Ziele und aktive Übungen. Am besten erforscht.

Verhaltenstherapie / Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die am besten erforschte Methode. Verändert negative Denkmuster und problematisches Verhalten. Konkret, zielorientiert, oft zeitlich begrenzt (20–40 Sitzungen).

Besonders geeignet bei: Depression, Angststörungen, Panikattacken, Phobien, Zwangsstörungen, Essstörungen, ADHS

Welche Methode passt zu mir?

Bei Depression

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hat die stärkste Evidenzbasis. Auch Existenzanalyse und Tiefenpsychologische Verfahren zeigen gute Ergebnisse. Bei schwerer Depression Kombination mit Medikamenten empfohlen.

Bei Angststörungen & Phobien

KVT mit Expositionstherapie ist erste Wahl. Auch Hypnosetherapie und systemische Therapie können wirksam sein. Für Panikattacken ist KVT besonders gut belegt.

Bei Beziehungs- & Familienproblemen

Systemische Familientherapie ist speziell dafür entwickelt. Auch Paartherapie und Gestalttherapie arbeiten stark beziehungsorientiert.

Bei Burnout & Sinnkrisen

Existenzanalyse und Logotherapie (Viktor Frankl) ist besonders stark bei Sinnfragen. Personzentrierte Therapie und KVT eignen sich ebenfalls gut für Burnout.

Bei Traumata & PTBS

KVT mit Trauma-Fokus (EMDR-Elemente) ist stark erforscht. Katathym Imaginative Therapie und Psychodrama arbeiten ebenfalls gut mit traumatischen Erinnerungen.

Kosten & Kassenerstättung

Alle 23 anerkannten Methoden sind grundsätzlich kassenerstättungsfähig. Es gibt keinen Unterschied in der Erstattung zwischen den Methoden.

€0
Kassenpsychotherapie
Lange Wartezeiten
€33,70
ÖGK-Zuschuss pro Sitzung
Bei Wahltherapeut:innen
€80–150
Privater Stundensatz
Minus ÖGK-Zuschuss

Häufige Fragen

Wie viele Psychotherapiemethoden sind in Österreich anerkannt?
In Österreich sind 23 psychotherapeutische Methoden vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) anerkannt. Diese sind in vier Grundrichtungen eingeteilt: tiefenpsychologisch-psychodynamisch, humanistisch-existenziell, systemisch und verhaltenstherapeutisch.
Welche Psychotherapiemethode ist die beste?
Es gibt keine „beste“ Methode. Die Wirksamkeit hängt stark von der Passung zwischen Therapeut:in und Klient:in ab. Forschung zeigt, dass die therapeutische Beziehung wichtiger ist als die spezifische Methode (sog. „common factors“). Für bestimmte Störungsbilder gibt es allerdings Empfehlungen (z.B. KVT bei Angststörungen).
Werden alle Methoden von der Kasse bezahlt?
Ja. Alle 23 anerkannten Methoden sind grundsätzlich kassenerstättungsfähig. Bei Wahltherapeut:innen erstattet die ÖGK ca. €33,70 pro Sitzung. Bei Kassenpsychotherapeut:innen ist die Behandlung kostenlos.
Kann ich die Methode wechseln?
Ja. Wenn Sie merken, dass die gewählte Methode nicht passt, können Sie jederzeit wechseln. Die meisten Therapeut:innen besprechen das im Erstgespräch offen. Ein Wechsel hat keine negativen Auswirkungen auf die Kostenerstattung.
Was ist Existenzanalyse — die österreichische Spezialität?
Die Existenzanalyse und Logotherapie wurde von Viktor Frankl in Wien begründet. Sie fokussiert auf Sinnfindung und eigenverantwortliches Leben. Besonders wirksam bei Sinnkrisen, Burnout und existenziellen Fragen. International hoch angesehen.
Wie lange dauert eine Psychotherapie?
Das variiert stark: Kurztherapie (KVT) kann 20–25 Stunden dauern. Tiefenpsychologische Verfahren laufen oft 1–3 Jahre. Psychoanalyse kann mehrere Jahre umfassen. Im Durchschnitt dauert eine Therapie in Österreich ca. 50–80 Stunden.

Therapeut:in mit der passenden Methode finden

CheckPsy zeigt Ihnen Therapeut:innen in ganz Österreich — gefiltert nach Methode, Spezialisierung und Kassenplatz.

Therapeut:in finden →

21.000+ Therapeuten in ganz Österreich

Weitere Ratgeber