Auf einen Blick
- •Österreich hat mit 23 anerkannten Methoden eines der vielfältigsten Systeme weltweit
- •Alle Methoden sind grundsätzlich von der ÖGK kassenerstättungsfähig (€33,70/Sitzung)
- •Die Beziehung zur Therapeutin/zum Therapeuten ist wichtiger als die spezifische Methode
- •4 Grundrichtungen: tiefenpsychologisch, humanistisch, systemisch und verhaltenstherapeutisch
Die 4 Grundrichtungen im Überblick
🔮 Tiefenpsychologisch-psychodynamisch
9 Methoden — Unbewusste Konflikte aufdecken und verarbeiten. Oft längere Therapien mit tiefgreifender Veränderung.
z.B. Psychoanalyse, Hypnosetherapie, Katathym Imaginative PT
🌿 Humanistisch-existenziell
7 Methoden — Selbstverwirklichung, Sinnfindung und das Hier-und-Jetzt. Ganzheitlicher Blick auf den Menschen.
z.B. Existenzanalyse, Gestalttherapie, Personzentrierte PT
🔗 Systemisch
1 Methode — Probleme im Kontext von Beziehungen und Systemen verstehen. Besonders stark bei Familien- und Paarthemen.
Systemische Familientherapie
📊 Verhaltenstherapeutisch
1 Methode — Konkrete Probleme lösen, Denkmuster verändern. Am besten erforscht, oft zeitlich begrenzt.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Tiefenpsychologisch-psychodynamisch
Diese Verfahren gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte und frühe Erfahrungen psychische Probleme verursachen. Ziel ist es, diese Konflikte bewusst zu machen und aufzuarbeiten.
Psychoanalyse
Sigmund Freuds klassische Methode. Intensive Therapie (3–4x/Woche), unbewusste Konflikte, freie Assoziation, Traumdeutung. Oft jahrelang.
Besonders geeignet bei: Tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung, chronische Probleme
Analytische Psychologie (nach C.G. Jung)
Arbeitet mit Archetypen, Symbolen und dem kollektiven Unbewussten. Traum- und Symbolarbeit als zentrale Elemente.
Besonders geeignet bei: Sinnsuche, kreative Prozesse, spirituelle Themen
Individualpsychologie (nach Alfred Adler)
Fokus auf Lebensstil, Gemeinschaftsgefühl und Minderwertigkeitskomplexe. Lehrreichster Ansatz für den Alltag.
Besonders geeignet bei: Beziehungsprobleme, Selbstwert, Erziehungsfragen
Gruppenpsychoanalyse
Psychoanalytische Prinzipien in der Gruppe. Die Gruppendynamik wird als therapeutisches Mittel genutzt.
Besonders geeignet bei: Soziale Ängste, Beziehungsmuster, Isolation
Dynamische Gruppenpsychotherapie
Gruppentherapie mit Fokus auf hier-und-jetzt Interaktionen. Weniger analytisch als Gruppenpsychoanalyse.
Besonders geeignet bei: Soziale Kompetenz, Selbstwahrnehmung
Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)
Arbeitet mit geleiteten Tagträumen und inneren Bildern. Sehr bildhafte, kreative Methode mit tiefenpsychologischem Hintergrund.
Besonders geeignet bei: Psychosomatik, Traumaverarbeitung, kreative Menschen
Transaktionsanalyse
Analysiert Kommunikationsmuster (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich). Leicht verständliches Modell für Beziehungsdynamiken.
Besonders geeignet bei: Kommunikationsprobleme, Beziehungskonflikte, Beruf
Hypnosepsychotherapie
Therapeutische Hypnose als Zugang zum Unbewussten. Nicht zu verwechseln mit Showhypnose. Evidenzbasiert und seriös.
Besonders geeignet bei: Angststörungen, Schmerzen, Raucherentwöhnung, Psychosomatik
Autogene Psychotherapie
Auf autogenem Training basierend (Körperwahrnehmung, Entspannung). Verbindung von Körper und Psyche.
Besonders geeignet bei: Stressabbau, Psychosomatik, Schlafstörungen
Humanistisch-existenziell
Diese Verfahren betonen die Selbstverwirklichung, das Hier-und-Jetzt und die Suche nach Sinn. Der Mensch wird als Ganzes betrachtet — mit Körper, Gefühlen und Geist.
Existenzanalyse und Logotherapie (nach Viktor Frankl)
Österreichische Besonderheit: Von Viktor Frankl in Wien begründet. Fokus auf Sinnfindung und eigenverantwortliches Leben. Weltweit anerkannt.
Besonders geeignet bei: Sinnkrisen, existenzielle Fragen, Trauer, Burnout
Personzentrierte Psychotherapie (nach Carl Rogers)
Empathie, Wertschätzung und Echtheit als Kern. Die therapeutische Beziehung ist das wichtigste Werkzeug.
Besonders geeignet bei: Selbstwertprobleme, Beziehungsprobleme, persönliches Wachstum
Gestalttherapie
Hier-und-Jetzt-Fokus, Körperarbeit, kreative Methoden (leerer Stuhl, Rollenspiel). Sehr lebendig und erlebnisorientiert.
Besonders geeignet bei: Emotionale Blockaden, Kontaktstörungen, Kreativität
Psychodrama
Szenisches Spiel und Rollenspiel als therapeutische Methode. Man stellt Situationen nach und erarbeitet neue Lösungen.
Besonders geeignet bei: Konflikte, Entscheidungsfindung, soziale Kompetenz
Integrative Therapie
Verbindet verschiedene Ansätze: Körperarbeit, kreative Medien, Gespräch, Bewegung. Sehr vielseitig und ganzheitlich.
Besonders geeignet bei: Komplexe Probleme, Psychosomatik, Sucht
Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)
Körper und Bewegung als Zugang zu psychischen Themen. Wahrnehmungsübungen, Atem, Berührung.
Besonders geeignet bei: Psychosomatik, Essstörungen, Körperwahrnehmung
Integrative Gestalttherapie
Verbindung von Gestalttherapie mit integrativen Ansätzen. Breiterer Methodenkanon als klassische Gestalttherapie.
Besonders geeignet bei: Flexible Anwendung bei verschiedensten Störungen
Systemisch
Systemische Verfahren betrachten Probleme im Kontext von Beziehungen und Systemen (Familie, Partnerschaft, Beruf). Nicht das Individuum allein, sondern das ganze System wird betrachtet.
Systemische Familientherapie
Betrachtet Symptome als Ausdruck von Beziehungsproblemen im System. Arbeitet mit der ganzen Familie oder mit Einzelnen über ihr System.
Besonders geeignet bei: Familienkonflikte, Erziehungsprobleme, Paartherapie, Kinder
Verhaltenstherapeutisch
Verhaltenstherapie basiert auf Lerntheorie und kognitiver Psychologie. Fokus auf konkrete Probleme, messbare Ziele und aktive Übungen. Am besten erforscht.
Verhaltenstherapie / Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Die am besten erforschte Methode. Verändert negative Denkmuster und problematisches Verhalten. Konkret, zielorientiert, oft zeitlich begrenzt (20–40 Sitzungen).
Besonders geeignet bei: Depression, Angststörungen, Panikattacken, Phobien, Zwangsstörungen, Essstörungen, ADHS
Welche Methode passt zu mir?
Bei Depression
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hat die stärkste Evidenzbasis. Auch Existenzanalyse und Tiefenpsychologische Verfahren zeigen gute Ergebnisse. Bei schwerer Depression Kombination mit Medikamenten empfohlen.
Bei Angststörungen & Phobien
KVT mit Expositionstherapie ist erste Wahl. Auch Hypnosetherapie und systemische Therapie können wirksam sein. Für Panikattacken ist KVT besonders gut belegt.
Bei Beziehungs- & Familienproblemen
Systemische Familientherapie ist speziell dafür entwickelt. Auch Paartherapie und Gestalttherapie arbeiten stark beziehungsorientiert.
Bei Burnout & Sinnkrisen
Existenzanalyse und Logotherapie (Viktor Frankl) ist besonders stark bei Sinnfragen. Personzentrierte Therapie und KVT eignen sich ebenfalls gut für Burnout.
Bei Traumata & PTBS
KVT mit Trauma-Fokus (EMDR-Elemente) ist stark erforscht. Katathym Imaginative Therapie und Psychodrama arbeiten ebenfalls gut mit traumatischen Erinnerungen.
Kosten & Kassenerstättung
Alle 23 anerkannten Methoden sind grundsätzlich kassenerstättungsfähig. Es gibt keinen Unterschied in der Erstattung zwischen den Methoden.
Häufige Fragen
Wie viele Psychotherapiemethoden sind in Österreich anerkannt?▼
Welche Psychotherapiemethode ist die beste?▼
Werden alle Methoden von der Kasse bezahlt?▼
Kann ich die Methode wechseln?▼
Was ist Existenzanalyse — die österreichische Spezialität?▼
Wie lange dauert eine Psychotherapie?▼
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