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Psychologische Diagnostik in Österreich: Was wird getestet?

Klinisch-psychologische Diagnostik, Testverfahren, Ablauf und Kosten — verständlich erklärt.

Du fragst dich, ob du ADHS hast? Du willst wissen, warum das Lernen deinem Kind so schwerfällt? Oder du brauchst ein psychologisches Gutachten für den Führerschein? In all diesen Situationen kommt psychologische Diagnostik ins Spiel — ein strukturierter, wissenschaftlich fundierter Prozess, der dir klare Antworten liefern kann. In diesem Ratgeber erfährst du, was psychologische Diagnostik ist, wer sie durchführen darf, welche Tests es gibt, wie der Ablauf aussieht und was das in Österreich kostet.

Was ist psychologische Diagnostik?

Psychologische Diagnostik ist die systematische Erfassung und Beurteilung psychischer Merkmale, Fähigkeiten und Zustände einer Person. Ziel ist es, auf Basis standardisierter Testverfahren und strukturierter Gespräche ein differenziertes Bild zu erstellen — als Grundlage für Therapieentscheidungen, Fördermaßnahmen, rechtliche Gutachten oder berufliche Eignungsbeurteilungen.

Anders als ein Alltagsgespräch oder eine erste Einschätzung beim Hausarzt folgt psychologische Diagnostik klaren wissenschaftlichen Standards: Die eingesetzten Testverfahren sind normiert (d. h. an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe geeicht), reliabel (zuverlässig) und valide (sie messen tatsächlich das, was sie messen sollen). Das Ergebnis ist kein Bauchgefühl, sondern eine fundierte, nachvollziehbare Einschätzung.

Wichtig: Psychologische Diagnostik ersetzt keine ärztliche oder psychiatrische Diagnose im medizinischen Sinne. Klinische Psycholog:innen dürfen psychologische Befunde erstellen und Störungsbilder nach ICD beschreiben, die Vergabe einer offiziellen Diagnose für medizinische Zwecke (z. B. für eine Krankmeldung oder Medikamentenverordnung) liegt jedoch im Bereich der Ärzt:innen und Psychiater:innen.

Wer darf psychologische Diagnostik durchführen?

In Österreich ist die Durchführung klinisch-psychologischer Diagnostik gesetzlich klar geregelt. Berechtigt sind:

  • Klinische Psycholog:innen: Sie haben ein abgeschlossenes Psychologiestudium (Master/Diplom) sowie eine postgraduale Ausbildung in Klinischer Psychologie absolviert und sind im Gesundheitsberuferegister eingetragen. Sie sind die zentralen Fachpersonen für psychologische Diagnostik in Österreich.
  • Gesundheitspsycholog:innen: Ebenfalls approbierte Psycholog:innen mit postgradualer Ausbildung, Schwerpunkt Prävention und Gesundheitsförderung — sie können in bestimmten Bereichen ebenfalls diagnostisch tätig sein.
  • Neuropsycholog:innen: Spezialisierte Klinische Psycholog:innen mit Zusatzausbildung in Neuropsychologie, zuständig für Diagnostik nach Hirnverletzungen, Schlaganfall oder neurodegenerativen Erkrankungen.

Reine Psychotherapeut:innen ohne psychologisches Grundstudium sind nicht berechtigt, standardisierte psychologische Tests durchzuführen und auszuwerten. Wenn du eine Diagnostik benötigst, wende dich daher gezielt an eine klinisch-psychologische Praxis oder eine entsprechende Ambulanz.

Den Unterschied zwischen Klinischen Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen erklärt dir unser Ratgeber Psychotherapeut:in vs. Psycholog:in ausführlich.

Welche Tests gibt es? Ein Überblick über die wichtigsten Verfahren

Die Welt der psychologischen Testverfahren ist vielfältig. Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Instrumente zum Einsatz. Hier ein strukturierter Überblick:

Intelligenztests (IQ-Tests)

Intelligenztests erfassen kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, sprachliches Verständnis, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Zu den häufigsten Verfahren in Österreich zählen:

  • WAIS-IV (Wechsler Adult Intelligence Scale): Standardverfahren für Erwachsene ab 16 Jahren, liefert einen Gesamt-IQ sowie Indexwerte für verschiedene kognitive Bereiche.
  • WISC-V (Wechsler Intelligence Scale for Children): Für Kinder von 6 bis 16 Jahren, häufig bei Schulproblemen, Hochbegabungsabklärung oder Lernstörungen eingesetzt.
  • CFT 20-R (Culture Fair Intelligence Test): Ein sprachfreier Intelligenztest, nützlich bei Sprachbarrieren oder wenn kulturelle Faktoren das Ergebnis nicht verzerren sollen.

IQ-Tests sind keine einfachen Online-Selbsttests, sondern aufwendige Einzeltestungen, die von geschulten Fachpersonen durchgeführt und individuell ausgewertet werden.

Persönlichkeitstests

Persönlichkeitsdiagnostik erfasst stabile Merkmale wie Emotionsregulation, Impulskontrolle, Extraversion, Ängstlichkeit oder interpersonelle Stile. Bekannte Verfahren sind:

  • MMPI-2 / MMPI-3 (Minnesota Multiphasic Personality Inventory): Umfangreiches Selbstbeurteilungsverfahren, das auch klinische Skalen (z. B. Depressivität, Hypomanie, Paranoia) enthält. Häufig in forensischen oder gutachterlichen Kontexten eingesetzt.
  • NEO-PI-R: Erfasst die „Big Five" der Persönlichkeit (Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus).
  • PSSI (Persönlichkeitsstil- und Störungsinventar): Untersucht Persönlichkeitsstile und -störungen auf Basis des DSM/ICD.
  • Projektive Verfahren (z. B. Rorschach-Test): Werden seltener eingesetzt und sind methodisch umstrittener, können aber bei bestimmten Fragestellungen ergänzend genutzt werden.

Neuropsychologische Tests

Neuropsychologische Diagnostik untersucht kognitive Funktionen, die durch Hirnschädigungen, Erkrankungen oder Alterungsprozesse beeinträchtigt sein können. Getestet werden unter anderem:

  • Gedächtnis: Kurzzeit-, Langzeit- und Arbeitsgedächtnis (z. B. WMS-IV, VLMT)
  • Aufmerksamkeit und Konzentration: z. B. TAP (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung), d2-R
  • Exekutivfunktionen: Planen, Inhibition, kognitive Flexibilität (z. B. WCST, TMT)
  • Sprache: Benennen, Verstehen, Wortflüssigkeit
  • Visuell-räumliche Fähigkeiten: z. B. Rey-Figur, Mosaik-Test

Neuropsychologische Tests werden häufig nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, bei Verdacht auf Demenz oder bei Lern- und Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt.

Leistungsdiagnostik

Leistungsdiagnostik erfasst spezifische Fähigkeiten, die für schulischen oder beruflichen Erfolg relevant sind:

  • Lese-Rechtschreib-Diagnostik: z. B. SLRT-II, zur Abklärung einer Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung)
  • Rechenschwäche-Diagnostik: z. B. ZAREKI, zur Abklärung einer Dyskalkulie
  • Schulleistungstests: Vergleich mit alters- und schulstufenadäquaten Normen
  • Berufliche Eignungstests: Konzentration, Reaktion, Raumvorstellung — z. B. für Polizei, Bundesheer oder bestimmte Berufsfelder

ADHS-Diagnostik

Die Abklärung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten Anlässe für psychologische Diagnostik — sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Typische Instrumente sind:

  • Standardisierte Fragebögen (z. B. ADHS-SB, Conners, BRIEF)
  • Aufmerksamkeitstests (z. B. KITAP für Kinder, TAP für Erwachsene)
  • Verhaltensbeobachtung und Fremdanamnese (Eltern, Lehrkräfte)
  • Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Angststörung, Schlafprobleme, Hochbegabung)
Achtung: Eine valide ADHS-Diagnose bei Erwachsenen erfordert immer eine mehrstündige Diagnostik durch eine Fachperson — keine Online-Fragebögen. Wird eine medikamentöse Behandlung (z. B. Ritalin, Strattera) erwünscht, ist zusätzlich eine psychiatrische oder ärztliche Abklärung notwendig, da nur Ärzt:innen Medikamente verschreiben dürfen.

Demenzdiagnostik

Bei älteren Menschen oder bei Verdacht auf kognitive Abbauprozesse werden neuropsychologische Screening-Verfahren und ausführlichere Testbatterien eingesetzt, z. B.:

  • MMSE (Mini-Mental-Status-Examination): Kurzscreening, häufig in der Arztpraxis
  • MoCA (Montreal Cognitive Assessment): Sensitiver als MMSE, erfasst auch leichte kognitive Einschränkungen
  • CERAD-Plus: Umfassendere neuropsychologische Testbatterie für differenzierte Demenzdiagnostik

Wann brauche ich eine psychologische Diagnostik?

Psychologische Diagnostik ist sinnvoll in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen. Hier sind die häufigsten Anlässe:

  • ADHS-Verdacht (Kind oder Erwachsener): Konzentrationsprobleme, Impulsivität, Organisationsschwierigkeiten
  • Schulprobleme und Lernstörungen: Legasthenie, Dyskalkulie, allgemeine Lernschwierigkeiten
  • Hochbegabungsabklärung: Kinder oder Erwachsene, die eine Förderung oder Schulübertritt anstreben
  • Demenz-Frühdiagnostik: Gedächtnisprobleme im Alter, zur Abgrenzung von normalem Altern und Erkrankung
  • Nach Hirnverletzung oder Schlaganfall: Erfassung verbliebener kognitiver Beeinträchtigungen als Basis für Rehabilitation
  • Verkehrspsychologie: Fahrtauglichkeitsgutachten nach Führerscheinentzug oder ab einem bestimmten Alter
  • Berufliche Eignungsdiagnostik: Eignungstest für Polizei, Militär, Fluglotsen oder andere sicherheitskritische Berufe
  • Psychiatrische Abklärung: Als Ergänzung zur ärztlichen Diagnosestellung bei komplexen Störungsbildern
  • Gerichtsgutachten: In zivilrechtlichen oder strafrechtlichen Verfahren (z. B. Obsorge, Schuldfähigkeit)
  • Invaliditäts- und Berentungsverfahren: Nachweis psychischer Beeinträchtigungen für Behörden oder Versicherungen

Wie läuft eine psychologische Diagnostik ab?

Eine vollständige klinisch-psychologische Diagnostik folgt in der Regel einem strukturierten Ablauf:

  1. Anamnese und Erstgespräch: Die Psycholog:in erfragt deine aktuelle Situation, deine Beschwerden, Vorgeschichte, familiären Hintergrund und die konkrete Fragestellung. Das dauert meist 45–90 Minuten.
  2. Auswahl der Testverfahren: Je nach Fragestellung wählt die Fachperson passende, normierte Testinstrumente aus.
  3. Testdurchführung: Die eigentliche Testung findet in Einzelsitzungen statt. Je nach Umfang dauert das insgesamt 1 bis 6 Stunden (aufgeteilt auf ein bis mehrere Termine). Du bearbeitest Aufgaben am Computer oder auf Papier, beantwortest Fragebögen oder führst praktische Aufgaben durch.
  4. Auswertung: Die Psycholog:in wertet alle Daten aus, vergleicht deine Ergebnisse mit den Normwerten und interpretiert die Befunde im Gesamtkontext.
  5. Befundbesprechung: Du bekommst die Ergebnisse in einem Gespräch erklärt — verständlich, nicht nur in Fachbegriffen. Auf Wunsch erhältst du einen schriftlichen Befund.
  6. Empfehlungen: Die Psycholog:in gibt Empfehlungen für weitere Schritte: Therapie, Fördermaßnahmen, schulische Anpassungen, Weiterüberweisung etc.
Wie lange dauert es? Eine einfache Diagnostik (z. B. Screening auf Demenz) kann in 1–2 Sitzungen abgeschlossen sein. Eine umfassende ADHS-Diagnostik oder neuropsychologische Abklärung kann 3–5 Termine mit insgesamt 4–8 Stunden Testzeit umfassen. Plane also ausreichend Zeit ein.

Psychologische vs. psychiatrische Diagnostik — was ist der Unterschied?

Diese Frage wird häufig gestellt, weil die Begriffe im Alltag oft durcheinandergebracht werden. Der Unterschied ist wichtig:

  • Klinische Psycholog:innen führen psychologische Diagnostik mit standardisierten Tests durch. Sie erstellen psychologische Befunde, können Störungsbilder beschreiben und Therapieempfehlungen geben. Sie dürfen jedoch keine Medikamente verschreiben.
  • Psychiater:innen sind Ärzt:innen mit Spezialisierung auf psychische Erkrankungen. Sie vergeben offizielle medizinische Diagnosen, können Medikamente verschreiben und in Krankenhäuser einweisen. Ihre Diagnostik basiert in der Regel auf klinischen Interviews und Beobachtung, weniger auf standardisierten Psychologietests.

In der Praxis ergänzen sich beide Disziplinen: Eine fundierte Diagnostik bei ADHS, Demenz oder komplexen Persönlichkeitsstörungen nutzt idealerweise beide Perspektiven. Klinische Psycholog:innen und Psychiater:innen arbeiten oft im Team — etwa in psychiatrischen Ambulanzen, Universitätskliniken oder spezialisierten Tageskliniken.

Verkehrspsychologie: Ein Sonderfall der Diagnostik

Die verkehrspsychologische Untersuchung ist eine besondere Form der psychologischen Diagnostik, die in Österreich vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und zugelassenen verkehrspsychologischen Untersuchungsstellen durchgeführt wird. Sie ist in folgenden Situationen verpflichtend:

  • Nach Führerscheinentzug wegen Alkohol, Drogen oder schwerer Verkehrsdelikte
  • Bei Verdacht auf Fahrunfähigkeit (z. B. durch medizinische Einschränkungen)
  • Auf Anordnung der Führerscheinbehörde

Die Verkehrspsychologische Untersuchung (VPU) erfasst kognitive Leistungsfähigkeit (Reaktion, Konzentration, Belastbarkeit), Persönlichkeitsmerkmale und verkehrsrelevante Einstellungen. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob du den Führerschein zurückbekommst.

Hinweis: Verkehrspsychologische Untersuchungen werden nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen selbst bezahlt werden. Bitte informiere dich bei der zuständigen Behörde oder Untersuchungsstelle über aktuelle Kosten.

Kosten und Kassenleistung: Was zahlt die Krankenkasse?

Die Kostenfrage ist komplex — und leider nicht immer einfach zu beantworten, weil sie stark davon abhängt, wo und in welchem Rahmen die Diagnostik durchgeführt wird.

Im Kassenbereich (z. B. psychiatrische Ambulanz, Krankenhaus)

Wenn psychologische Diagnostik im Rahmen eines stationären oder ambulanten Aufenthalts an einem Krankenhaus oder einer psychiatrischen Ambulanz durchgeführt wird, übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten — zumindest für den Kernaufwand. Das gilt z. B. für Demenzdiagnostik in neurologischen Ambulanzen oder ADHS-Abklärung in kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen.

Bei niedergelassenen Klinischen Psycholog:innen

In freier Praxis tätigen Klinischen Psycholog:innen haben in Österreich nur selten einen direkten Kassenvertrag. Das bedeutet: Du bezahlst in der Regel selbst und kannst einen Teil der Kosten — je nach Kasse und Situation — als Zuschuss zurückfordern oder steuerlich absetzen.

Für klinisch-psychologische Diagnostik (im Unterschied zu Psychotherapie) gibt es in Österreich keine einheitliche Kassenleistung im niedergelassenen Bereich. Die Situation unterscheidet sich je nach Bundesland und Kasse.

Bitte informiere dich direkt bei deiner Kasse über die aktuellen Konditionen für klinisch-psychologische Diagnostik. Die Regelungen ändern sich regelmäßig, und was für ÖGK-Versicherte gilt, muss nicht für SVS- oder BVAEB-Versicherte gelten.

Steuerliche Absetzbarkeit

Kosten für psychologische Diagnostik können unter Umständen als außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden — insbesondere wenn sie medizinisch notwendig sind (ärztliche Überweisung vorhanden, direkter Krankheitsbezug). Sprich dazu mit einer Steuerberater:in oder prüfe die aktuellen Richtlinien des BMF.

Orientierungsrahmen für Kosten

Konkrete Preise variieren stark je nach Umfang der Diagnostik, Spezialisierung und Region. Eine einfache Eingangsdiagnostik kann ab einigen Hundert Euro beginnen; umfangreiche neuropsychologische Testbatterien oder Gutachten können mehrere Hundert bis über tausend Euro kosten. Bitte hol dir immer vorab einen konkreten Kostenvoranschlag bei der jeweiligen Praxis.

Wo finde ich Klinische Psycholog:innen in Österreich?

Klinische Psycholog:innen, die diagnostische Leistungen anbieten, findest du über verschiedene Wege:

  • Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP): boep.or.at — mit Therapeutensuche nach Fachgebiet und Region
  • Psychiatrische und neurologische Ambulanzen der Landeskrankenhäuser — oft mit direktem Kassenangebot
  • CheckPsy.at: Unsere Therapeutensuche hilft dir, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe zu finden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich einfach einen IQ-Test online machen?

Kostenlose Online-IQ-Tests geben dir allenfalls eine grobe Orientierung — sie sind nicht normiert, nicht validiert und für keine offiziellen Zwecke anerkannt. Für eine valide Intelligenzmessung, die z. B. für Schullaufbahnentscheidungen, Hochbegabungsförderung oder Gutachten benötigt wird, brauchst du eine Einzeltestung durch eine klinische Psycholog:in.

Wie lange dauert eine ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen?

Eine seriöse ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen umfasst typischerweise ein ausführliches Anamnesegespräch, mehrere standardisierte Fragebögen (Selbst- und Fremdbeurteilung) sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest. Insgesamt solltest du mit 3–5 Stunden Testzeit rechnen, aufgeteilt auf ein bis drei Termine. Dazu kommt die Auswertungs- und Befundbesprechungszeit.

Muss ich für die Diagnostik eine Überweisung haben?

Für den direkten Zugang zu einer klinisch-psychologischen Praxis brauchst du in der Regel keine Überweisung — du kannst dich selbst anmelden. Eine Überweisung vom Hausarzt oder Psychiater kann jedoch hilfreich sein, wenn du einen Kassenerstattungsantrag stellen möchtest oder wenn die Krankenkasse eine ärztliche Indikation verlangt. Bitte kläre das vorab mit deiner Kasse und der Praxis.

Was steht in einem psychologischen Befund?

Ein psychologischer Befund enthält üblicherweise: Anlass und Fragestellung, eingesetzte Testverfahren mit Beschreibung, Testergebnisse mit Normvergleich, Interpretation der Befunde im Gesamtkontext und abschließende Empfehlungen. Ein Befund ist ein vertrauliches Dokument — du entscheidest, wem du ihn weitergibst (z. B. Arzt, Schule, Behörde).

Kann mein Kind in der Schule Nachteilsausgleich bekommen, wenn eine Legasthenie diagnostiziert wurde?

Ja. In Österreich können Schüler:innen mit einer diagnostizierten Lese-Rechtschreib-Störung (Legasthenie) oder Rechenschwäche (Dyskalkulie) in der Regel einen Nachteilsausgleich beantragen — z. B. mehr Zeit bei Schularbeiten, Vorlesen von Aufgaben oder individuelle Benotung. Die genauen Regelungen sind in der Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) und den Schulgesetzen geregelt und können je nach Schultyp variieren. Ein psychologischer Befund ist dafür Voraussetzung.

Was ist der Unterschied zwischen Diagnostik und Therapie?

Diagnostik ist die systematische Untersuchung und Befundung — sie beantwortet die Frage Was liegt vor? Therapie ist die darauf aufbauende Behandlung — sie beantwortet die Frage Wie gehen wir damit um? Beide können von Klinischen Psycholog:innen angeboten werden, sind aber inhaltlich und abrechnungstechnisch getrennte Leistungen. Manchmal ist nach einer Diagnostik keine Therapie nötig — manchmal ist sie der erste Schritt dazu.

Zahlt die Krankenkasse die Diagnostik?

Das hängt stark vom Kontext ab. Im Krankenhaus oder in einer psychiatrischen Ambulanz wird Diagnostik oft von der Kasse übernommen. Bei niedergelassenen Klinischen Psycholog:innen ohne Kassenvertrag musst du in der Regel selbst zahlen. Bitte informiere dich direkt bei deiner Kasse über die aktuellen Konditionen — die Regelungen unterscheiden sich je nach Kasse (ÖGK, SVS, BVAEB) und können sich ändern.

Gibt es auch psychologische Diagnostik für Kinder in Österreich?

Ja, Kinder- und Jugenddiagnostik ist ein eigenes Spezialgebiet. Für Kinder gibt es altersspezifische Testverfahren (z. B. WISC-V, KITAP, SLRT-II). Häufige Anlässe sind Schulreife-Abklärung, Legasthenie/Dyskalkulie-Diagnostik, ADHS-Abklärung und Hochbegabungsdiagnostik. Klinische Psycholog:innen mit Spezialisierung auf Kinder und Jugendliche findest du u. a. über den BÖP oder über CheckPsy.at. Unser Ratgeber Psychotherapie für Kinder und Jugendliche gibt dir weitere Informationen.

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